Niklas Luhmann (08.12.1927–06.11.1998) war ein deutscher Soziologe und einer der bedeutendsten Vertreter der soziologischen Systemtheorie. Er studierte Rechtswissenschaft in Freiburg und arbeitete anschließend mehrere Jahre als Verwaltungsbeamter in Niedersachsen. 1964 erschien sein erstes Buch „Funktionen und Folgen formaler Organisation“. 1966 wurde Luhmann an der Universität Münster zum Dr. sc. pol. promoviert und habilitierte sich dort wenige Monate später. Welches seiner frühen Bücher dabei als Dissertation und welches als Habilitationsschrift diente, wird unterschiedlich überliefert: Verlags- und Universitätsangaben ordnen „Funktionen und Folgen formaler Organisation“ der Promotion zu und „Recht und Automation in der öffentlichen Verwaltung“ der Habilitation, andere Darstellungen genau umgekehrt. Am 1. Oktober 1968 wurde er erster Professor an der Universität Bielefeld und Mitbegründer der dortigen Fakultät für Soziologie.
Ein Stipendium an der Harvard-Universität (Graduate School of Public Administration, 1960/61) brachte ihn in Kontakt mit Talcott Parsons, dessen strukturfunktionale Systemtheorie seine eigene spätere Theoriebildung prägte.
Detlef Horster: Niklas Luhmann (1997, Beck'sche Reihe)
Wer mit Luhmann noch wenig vertraut ist, findet bei Detlef Horster einen der zugänglichsten Einstiege: Sein Buch „Niklas Luhmann“ (Beck'sche Reihe) verbindet eine Annäherung an den Menschen Luhmann mit einer strukturierten Einführung in die vier Säulen seiner Systemtheorie. Parsons, Maturana, Varela, aber auch Habermas tauchen auf; man lernt, welche intellektuellen Verbindungen und Gegensätze Luhmanns Denken geprägt haben.
Zur Einordnung:
Horsters Darstellung endet vor „Organisation und Entscheidung“ (2000), Luhmanns postum erschienenem organisationssoziologischem Spätwerk. Wer primär an der Organisationssoziologie interessiert ist, liest Horster sinnvollerweise als Orientierung, bevor man mit dem Primärtext selbst beginnt.
ISBN: 9783406389375
Als erste Anlaufstelle ist das Niklas Luhmann Archiv der Universität Bielefeld sehr empfehlenswert. Es versammelt den bibliographischen Nachlass, verlinkt in Luhmanns Zettelkasten und bietet Zugang zu Manuskripten und Werkübersichten:
Einen knappen biographischen Überblick bietet die Seite der Universität Bielefeld, an der Luhmann von 1968 bis zu seiner Emeritierung 1993 lehrte: